
Ein Antritt, ein Dribbling im höchsten Tempo, die überraschende Finte gegen den Verteidiger. Justin Diehl hat Fähigkeiten, die das Offensivspiel bereichern können. Seit Sommer 2024 steht der 20-Jährige beim VfB unter Vertrag – und kickt damit erstmals für einen Club außerhalb seiner Kölner Heimat. Logisch, dass der VfB ihn behutsam aufbauen und sein Potenzial schrittweise freisetzen möchte. Zu diesem Plan gehört auch, dass Justin Diehl – insbesondere nach seinen zwei Verletzungen – mitunter Spielpraxis bei der U21 in der 3. Liga sammelt. Das soll ihm helfen, bald regelmäßig in der Bundesliga für Furore zu sorgen.
Hallo Justin, nach Abpfiff des vergangenen Bundesliga-Heimspiels gegen Wolfsburg hast du ein paar Tränen vergossen. Wie kam es dazu?
Justin Diehl: „Mich haben in dem Moment einfach die Emotionen gepackt. Aufgrund meiner Verletzung war ich eine Weile heraus, was für einen neuen Spieler immer ärgerlich ist. In dieser Zeit haben mich der Verein, das Trainerteam und die Jungs unfassbar unterstützt. Als ich nun erstmals wieder auf dem Rasen stand, wollte ich ganz viel zurückgeben, damit wir gemeinsam die Punkte holen. Dass ich dann ausgerechnet ein Teil der Fehlerkette vor dem Gegentor war, hat mich wahnsinnig geärgert. Mir tat das nach Abpfiff brutal leid.“
Die Szene drückt auch aus, wie sehr du dich bereits mit dem VfB und deinen Teamkollegen identifizierst.
Justin Diehl: „Das kann man so sehen, ja. Grundsätzlich bin ich als Sportler und Mensch sehr ehrgeizig und möchte zeigen, was ich kann. Mir tat es gut, dass beispielsweise Sebastian Hoeneß und ‚Medo‘ (Ermedin Demirovic, Anm. d. Red.) nach Abpfiff zu mir kamen und sagten, ich solle mir keinen Kopf machen. Im Nachhinein kann ich aus solch einer Szene viel lernen. Ich gehe meine Performance zu Hause oft nochmals durch und überlege, wie ich einzelne Spielsituationen auch hätte anders lösen können. Das hilft mir für meine Entwicklung.“
Es ist das erste Mal, dass du außerhalb deiner Kölner Heimat lebst. Inwiefern wirkt sich das auf deine Persönlichkeit aus?
Justin Diehl: „Es ist für mich als Mensch eine total spannende Zeit, es gibt jetzt kein ‚Hotel Mama‘ mehr (lacht). Ich bin alleine nach Stuttgart gezogen, habe meine eigene Wohnung und muss mich selbstständig um ganz simple Sachen kümmern: Wäsche waschen, einkaufen gehen, kochen. Ich nehme wahr, wie mir das als Mensch hilft, um zu reifen und noch erwachsener zu werden. Das fühlt sich gut und verantwortungsbewusst an, wenngleich ich mich natürlich stets riesig freue, wenn beispielsweise meine Mama zu Besuch kommt.“

Mal ganz neugierig gefragt: Was kochst du zu Hause am liebsten?
Justin Diehl: „Ich nehme mir wirklich Zeit und mache mir Gedanken. Mein Lieblingsgericht ist Steak mit Reis und Gemüse, dazu eine leckere Soße. Als Unterstützung in der Küche nutze ich einen Thermomix – damit macht mir das Kochen richtig Spaß. Während sich der Thermomix um den Reis kümmert, habe ich nach und nach herausgefunden, wie mir das perfekte Steak gelingt. Mittlerweile bin ich ganz gut im Flow.“
Wie hast du dich insgesamt in Stuttgart und in der Mannschaft eingelebt?
Justin Diehl: „Ich fühle mich sehr wohl in der neuen Umgebung, die Stadt ist schön und die Jungs haben es mir sehr leicht gemacht, hier anzukommen. Die Atmosphäre ist top: Wir lachen viel miteinander, unterstützen uns und können uns aber auch aussprechen, wenn mal etwas nicht gepasst hat. Außerhalb der Kabine unternehme ich gerne etwas mit Chris (Führich, Anm. d. Red.), ‚Medo‘ (Ermedin Demirovic, Anm. d. Red.), Jeff (Chabot, Anm. d. Red.) und Fabi (Fabian Bredlow, Anm. d. Red.) – und zu Finn (Jeltsch, Anm. d. Red.) habe ich von Beginn an ein super Verhältnis. Während meiner Verletzung in der ersten Saisonhälfte habe ich einen Teil der Reha mit Luca (Raimund, Anm. d. Red.) absolviert. Seitdem sind wir auch ab und an zusammen unterwegs.“
Als du in den ersten sechs Monaten jeweils auf einem guten Weg warst, deine aufsteigende Form zu bestätigen, warfen dich eine Schulter- und eine Oberschenkelverletzung zurück. Wie bist du mit diesen Rückschlägen umgegangen?
Justin Diehl: „Tatsächlich gibt mir mein Glaube eine Menge Kraft, ich lese viel in der Bibel. Aus den Erzählungen versuche ich, etwas für mein Leben und einzelne Situationen abzuleiten. Wie eben jetzt bei den Verletzungen: Meine Aufgabe ist es, nicht mit dem Schicksal zu hadern und negativ zu sein, sondern in dem Fall noch härter zu arbeiten, um stärker zurückzukommen. Andersherum hilft mir der Glaube auch, wenn es richtig gut und erfolgreich läuft.“
Justin Diehl:
Es ging mir darum, noch explosiver zu werden, um mit meinem Antritt und meinem Tempo in der Bundesliga überraschen zu können.
Wie meinst du das konkret?
Justin Diehl: „Es ist mitunter menschlich, im Erfolgsfall zu einem kleinen Höhenflug zu neigen. Die Bibel hat mich gelehrt, demütig und fokussiert zu bleiben. Nur wenn ich auch in einer erfolgreichen Zeit weiterhin fleißig bin, werde ich perspektivisch das nächste Level erreichen können. Mir gibt die Bibel somit Orientierung. Meine Tore feiere ich daher, indem ich mit meinen Fingern ein Kreuz bilde. Damit möchte ich meine Dankbarkeit gegenüber dem Herrn ausdrücken.“
Ein Markenzeichen ist deine Schnelligkeit. Laut Statistik bist du derzeit der siebtschnellste Spieler der Bundesliga mit einer Spitzengeschwindigkeit von 36,1 Kilometer pro Stunde. Inwiefern arbeitest du daran, diese Stärke weiter auszubauen?
Justin Diehl: „Lange Zeit bin ich nicht an die 35, 36 Kilometer pro Stunde herangekommen. Ich habe in den vergangenen Monaten jedoch gemerkt, dass mir das gezielte Krafttraining nochmal einen Push gab. Es ging mir darum, noch explosiver zu werden, um mit meinem Antritt und meinem Tempo in der Bundesliga überraschen zu können. Es freut mich natürlich, dass die Statistik diese Entwicklung bestätigt.“
Wie würdest du dein Spiel darüber hinaus beschreiben?
Justin Diehl: „Ich mag es, ins Dribbling zu gehen und in der Offensive etwas zu riskieren. Um darin noch besser zu werden, absolviere ich Extraschichten mit unserem Co-Trainer Malik Fathi. Wir trainieren beispielsweise, dass ich nicht immer über die gleiche Seite vorbeiziehe, sondern flexibler werde und dadurch unberechenbar für den Gegner bin. Mein linker Fuß kann noch stärker werden. Ein gutes Beispiel dafür ist Ousmane Dembélé: Er spielt auf einer ähnlichen Außenstürmerposition und hat diese Unberechenbarkeit in den zurückliegenden Jahren perfektioniert. Momentan ist er zudem in einer solch starken Verfassung, dass er häufig die ideale Entscheidung trifft, ob er selber abschließt oder den Pass spielt.“
... im weiteren Verlauf des Interviews erklärt Justin Diehl, weshalb er sich für einen Wechsel zum VfB Stuttgart entschied.

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